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Corporate Sprache ist bekanntermaßen ein Running Gag auf Social Media. Vor allem, wenn man regelmäßig auf r/LinkedInLunatics liest, wie die absolut furchtbarsten Dinge, die man Mitarbeitern einer Firma antun kann, so ausgedrückt werden, als wäre das ja eine Chance für alle und ne ganz tolle neue Möglichkeit für die Zukunft.

Gerade in großen Firmen und Konzernen ist das eben aber leider nicht nur LinkedIn-Sprech. Es zieht sich durch E-Mails. Chats. Durch Meetings. Teilweise sogar durch die "normale" Sprache, die man mit anderen spricht.

Und warum? Nur weil irgendjemand mal meinte, das wäre ja alles total fies, wenn man einfach mal ungeschönt ehrlich ist und dass es die armen, armen Gefühle erwachsener Menschen verletzt, wenn man sie auf ihre absolut beschissene Unfähigkeit den Job korrekt auszuführen aufmerksam macht.

Wenn ich eins über die letzten 14 Jahre meiner Berufstätigkeit in der IT - vor allem in meiner Big Corporate und Freelancerzeit - mitbekommen habe, ist, dass so was eben nicht immer zieht. Wir sind alle Menschen mit Gefühlen und für Veränderung muss man diese Gefühle eben auch ab und zu treffen, statt sie nur mit robotischem Scheißdreckgelaber zu streifen.

Wenn wir Menschen Feedback geben, dann wollen wir, dass sie darüber nachdenken. Es ernst nehmen. Vielleicht mal überlegen: "Ok, das war eine harte Kritik - aber hat die Person vielleicht recht?". Sowas geht nicht (immer), wenn wir alles so ausdrücken, als wäre die aktuelle Lage ja totaaaaal positiv.

Schon mal ein Arbeitszeugnis gesehen? Ja, genau. Da muss man schon genau wissen, welche positiv formulierten Sätze da quasi heißen: "Yo, das war einfach ein abartiger Megafick, der hier passiert ist."

Right now, I'd rather eat poodle shit than put that in my mouth.
~ Gordon Ramsay

Ich weiß, dass ich zu der Art Leute gehöre, die absolut kein Problem damit hätten zu 100 % ungeschönte Aussagen zu geben und zu erhalten. Meine Devise ist: "Nimm es nicht persönlich aber ernst." Schon allein deshalb habe ich mit meinen Vorgesetzten immer abgesprochen, dass sie bitte auf diesen Corporate Quatsch verzichten sollen und mir klar ins Gesicht sagen, was sie gut finden, was sie stört und was so zum Kotzen ist, dass ich das echt lassen muss.

Und es hat funktioniert. Ich durfte auch das Gleiche bei ihnen machen. Und siehe da, das waren genau die Menschen mit denen ich am besten arbeiten konnte.

Was hier aber wichtig ist! Es geht nicht darum, Leute den ganzen Tag zu beleidigen und runter zu buttern. Die Kritik muss verständlich und nachvollziehbar sein. Zusätzlich muss man Leute auch für ihre Leistungen entsprechend anerkennen und sie in genau der offenen Wortwahl loben.

Warum ist mir das so wichtig?

Ich gehöre zu den arroganten Menschen, die fest davon überzeugt sind, dass ca. 70 % - 80 % eines Entwicklungsteams das Team entweder nicht weiter bringen, sondern sogar aktiv zurückhalten und rede hier auch ganz klar nicht von Junior Developern. Über die Jahre habe ich viele Juniors erleben dürfen, welche die langjährigen Mitarbeiter locker in die Westentasche stecken können.

Sie hatten zwar nicht die Übung und Erfahrung mit ihren Werkzeugen nach der relativ kurzen Zeit, aber sie hatten die richtigen Gedankengänge, die Logik, die Kreativität und das Verständnis Probleme anzugehen und einfach zu lösen. Klar, manchmal nicht so schön. Aber ein gelöstes Problem ist auf jeden Fall besser als ein ungelöstes.

Was sich viele bewusst machen müssen: Du kannst nicht alles und musst es auch nicht können, also zwing dich nicht dazu. Einige Menschen können halt einfach nicht Softwareentwickeln. Es fehlt der Funke. So wie ich selbst absolut perfekt für Softwareentwicklung geeignet bin, sind andere perfekt als Grafiker geeignet, als Tierärzte, als Erzieher, Lehrer, etc. Könnte ich Erzieherin sein? Sicher nicht. Mir fehlt einfach der Funke, der das für mich nicht nur ein angenehmes, sondern auch ein erfüllendes Erlebnis machen würde.

Ich gebe an der Situation auch oft den Gehältern die Schuld. Es ist kein Geheimnis, dass es in der IT-Branche lange sehr hohe Gehälter gab und zu großen Teilen noch gibt. Da ist es naheliegend einen chilligen Bürojob am PC zu haben, wo man fürs Kaffeetrinken und Pizzaessen bezahlt wird. Nur dass dein Job eben nicht "Code schreiben" ist - sondern "Mit Leuten reden, sie verstehen, nachfragen, Lösungen aufzeigen, besprechen und so ziemlich alles andere was für introvertierte Menschen eigentlich der absolute Albtraum ist." Glaub mir. Auch ich bin ein geborenes Kellerkind. Wortwörtlich, mein Büro ist im Keller. Aber der Job hat sich verändert. Wir sitzen nicht mehr den ganzen Tag und hacken geiles Zeug, weil noch niemand weiß, was abgeht und kaum was existiert.

Der Markt ist gefüllt, die Leute verstehen langsam die Technik dahinter (also... nicht der Durchschnittsmensch. Die Branche.) und wir wissen was möglich ist.

Darum einfach mal ganz klar:
Wenn du es nicht kannst, und nach so langer Zeit IMMER NOCH NICHT KANNST, dann lass es.

Corporate-Sprech hilft hier niemandem.
Wenn jemand sich verhält wie ein verfickter Esel und das Team aktiv zurückhält, dann muss man das dieser Person sagen können.
Und nicht um den heißen Brei reden "Hmm ja, da ich sehe hier Weiterentwicklungspotential und würde dir folgende Workshops empfehlen."
Sagt ihnen: "Fuck, deine Leistung ist so schäbig, ich glaube selbst eine Betrunkene Katze hätte in diesem Sprint mehr geleistet."
Und dann reagiert auf die Antwort, die Erklärung. Angemessen.
Und helft, wo ihr könnt.